Verdeck selber wechseln


Weil ich bei einer blöden Aktion mir selber das Heckfenster kaputt gehauen hatte musste ich mir mein Verdeck mal gut ansehen; lohnt es noch ein neues Heckfenster ein zu bauen oder besser direkt ein komplettes Verdeck auf zu ziehen(siehe auch "Beurteilen eines Verdecks")? Mein Verdeck war an vielen Stellen so schlecht das ein neues drauf kam.
Hier könnt Ihr mal mit schauen wie das Vorgehen ist anhand von Bildern.

WARNUNG: Die soll keine Anleitung für Jedermann sein sich mal schnell ein Verdeck auf zu ziehen. Obwohl ich kein Sattler bin habe ich einige Erfahrungen mit dem Einbau von Verdecken, und muss ehrlich sagen das der Einbau beim Audi NICHT EINFACH ist.
Ich habe (obwohl in aller Ruhe gearbeitet) 3 Tage gebraucht: 1.Tag für Abbau und entrosten vom Gestell, 2. Tag für Lacktrocknung und Reparaturen einiger Einzelteile 3. Tag für Aufbau vom neuen verdeck.

Vorbereitungen:


Neben ein neues Verdeck , musste natürlich Kleber her. Hochhitzefest; das heißt Kleber der bis etwa 80 Grad hält. Auch doppelseitiges Klebeband habe ich benutzt obwohl an den Stellen auch der Kleber gebraucht werden kann. Eigentlich braucht man auch ein Stück dünne schaumgummiplatte (oder wie das heißt), ich hatte dies nicht zur Verfügung und habe es ohne gemacht.
Einiges Werkzeug wie Schraubendreher, Schere und Messer natürlich, und genügend alte Laken oder Tücher die beim kleben das Auto und Verkleidung schützen.
Entkleber muss man haben, oder jegliches Lösemittel damit die alten Klebeschichten komplett entfernt werden können.
Wenn Rost an dem Gestell sichtbar wird nach Abbau (meistens der Fall!) muss gründlich entrostet werden , und neu gestrichen werden mit Grundierung und 2K lack. Andere Lacke kann ich nicht empfehlen weil die sich oft wieder Lösen vom Kleber !
Der Verdeckwechsel soll gemacht werden in 15 + Grad Umgebung; sonst ist das Neuteil zu steif und unhandelbar

An die Arbeit:

* Erst muss der Innenhimmel ausgebaut werden (siehe "Audi Cabrio Technik -> Verdecktechnik -> Innenhimmel.).

BILD 1 + BILD 2:
Mit Hilfe von Tesa Klebeband werden am alten Verdeck die Stellen markiert wo die Längsnähte links und rechts hinten an dem Verdeckdeckel treffen. Auch die Mitte vom Deckel und Mitte von der Windschutzscheibe werden so markiert. Diese sind nachher Zentrierhilfen für das neue Verdeck.





Abbau vom alten Verdeck:


Man kann selbstverständlich den Abbau machen mit Messer und Schäre. Das alte Verdeck vorsichtig ab zu bauen hat den Vorteil das man als ungeübter sieht wie es aufgebaut ist, und gibt die Gelegenheit Bilder zu machen die nachher hilfreich sein können. Auch habe ich mir an einigen Momenten beim Aufbau das alte Verdeck noch mal angesehen;( "wie war das auch wieder?") wenn nur alte Fetzen rum liegen wird das schwer.

BILD 3




Der Lappen innen (Himmelstoff) unter dem Heckfenster wird gelöst.
Auch der Verdeckstoff unten am Heckspriegel kann gelöst werden.

BILD 4




Über dem Heckfenster ist auch einen Lappen verklebt mit dem Hauptspriegel.

BILD 5



Das Lösen der Zwischen Spriegellappen - auf dem Bild der hintere von drei.

BILD 6 + BILD 6a






Die Aluminium Profile mit Gummis über den vorderen Seitenfenster abschrauben. Man braucht die Schrauben nur zu Lösen und das Profil kann seitlich raus geschoben werden. Ich habe zu erst die Position der schrauben Markiert auf den Profilen; das nachher neu einstellen der Gummis wird so vereinfacht.
Unter den Profilen sind vielleicht auch noch Kunststoffstreifen; auch die sind dazu dar die Gummis richtig am Fenster an zu schließen. Links/rechts und vorn/hinten wurden also markiert.
Die Schrauben müssen nachher ganz raus, und ( wie sichtbar) da sind schon die ersten Roststellen.!

BILD 7




Am Vorderspriegel wird die Gummileiste entfernt und der ganze vordere Gummi abgenommen. Zwei kleine Gummiblöckchen wären mir fast verloren gegangen…

BILD 8 , 8a, 8b und 8c










Die vorderen Ecken am Verdeck sind nachher schwierig! Es soll geschnitten, gefaltet und geklebt werden in mehreren Schichten.
Die lose Ecken (8) abnehmen, eine kleine geklebte extra schicht dichtet noch mal extra ab (8b), zwei seitliche Lappen sind vorn zu Lösen (8a), und den verlauf der "Regenrinne" zeigt sich um etwa 45 Grad nach innen gebogen.
Ich habe erst diese Bilder gemacht und dann erst das ganze vom Vorderspriegel gelöst.

BILD 9




Wenn das Verdeck vom Vorderspriegel ab ist werden die Spannseile sichtbar. Sie müssen hinten am Hauptspriegel Innenseite gelöst werden und aus dem Verdeck gezogen werden. Sie waren beide in Ordnung also sind auch am Gestänge geblieben.

BILD 10




An der C-Säule ist auch das Profil samt Fenstergummi zu entfernen und das geklebte Verdeck zu lösen.
Die Profile/Gummis über den hinteren Seitenfenstern blieben an ihren Platz.

BILD 11 + 11a






Zwei Gummis halten das Verdeck noch an den Scharnieren mit Blindnieten. Die müssen ausgebohrt werden und sind zu erreichen durch hochklappen vom Heckspriegel und entfernen von Filzlappen am Scharnier.
Links und rechts waren die bei mir an verschiedene Stellen genietet .

Das alte Verdeck kann abgenommen werden….

Reparaturen am Gestänge


BILD 12 + 12a






Jetzt ist das Gestänge komplett mit Spannbänder sichtbar, und wird untersucht auf Schäden.
Auf jeden Fall müssen alle Kleberreste völlig entfernt werden, eine lästige aber notwendige Arbeit. Am Vorderspriegel seht Ihr die original verklebte Schaumgummischicht (weiss), für welche ich leider kein Ersatz hatte.

Rost ist an verschiedenen Stellen zu sehen, also muss entfernt und neu lackiert werden. Hier hat man einen Vorteil beim selber machen; Sattler haben (oder nehmen sich) dazu meist die Zeit nicht aus Kostengründe.

BILD 12b




Einige Teile können am Gestänge abgeschraubt werden. Wenn der Rostbefall schlimm ist empfiehlt es sich das komplette Gestänge ab zu bauen und das schmirgeln, schleifen und Lackieren nicht am Fahrzeug zu machen. Ich habe es am Auto gelassen, das spart Einstellarbeiten; dafür musste ich aber viel abdecken mit Tücher.

BILD 13




In Hochgeklappten Zustand hat das Teil trocknen müssen.

BILD 14




An verschiedenen Stellen (an alle Spriegel, neben oder auf den Spannbänder) sind am Gestänge Filz- und Stoffteile geklebt. Diese sind für eine "knubbel-freie" Optik der Außenhaut wichtig, und wurden wo notwendig ersetzt. Wie gesagt hatte ich nur den Schaumgummi für den Vorderspriegel nicht zur Verfügung. An sich ist das nicht so ein großes Problem; man soll dann an dieser Stelle den Kleber gut gleichmäßig verteilen, und aufpassen das beim eventuell lösen eines 1. Klebeversuch der Kleber keine Knubbel zieht…

BILD 15




Die Spannbänder waren in Ordnung, nur zwei Gummis die an der Unterseite dran genäht sind, waren ausgeleiert. Ich habe sie nicht ersetzt weil dessen einzige Funktion ist, das falten beim öffnen zu unterstützen.

Zwei Gummis an den hinteren Seitenteilen (in Stofftaschen gefasst) mussten wohl ersetzt werden. Weil die Spannung von den Spannbändern groß ist, und damit Aus- und Einbau schwierig, habe ich alles am Platz gelassen und von Hand genäht.

Montage vom neuen Verdeck


Jetzt geht es ans eingemachte !!
Der Verdeckwechsel soll gemacht werden in mindestens 15 + Grad Umgebung; sonst ist das Neuteil zu steif und unhandelbar.

BILD 16




Das Neuteil wird auf dem Gestänge gelegt und der hintere Heckspriegel hoch geklappt. In diesem Zustand muss aufgepasst werden das das Verdeck nicht zwischen den Gestängeteilen kommt; die können wie eine Schäre wirken !

BILD 17




Die beiden hinteren Stofflappen werden um den Heckspriegel gelegt.

BILD 18




Zum Zentrieren müssen die C-Säulen auch eingehakt werden. Dazu ist an der unteren Ecke (innenseite Verdeck) eine Tasche eingenäht.

BILD 19 +19a





Das neue Verdeck hat in der Mitte (vorn und hinten) von mir eine Markierung bekommen (siehe Bilder 1 + 2), mit denen genau zentriert werden kann. Zentrierung über C-Säulen Ecken alleine ist zu ungenau. Hier soll das ganze noch nach links.
An den C-Säulen Ecken werden die inneren Lappen zu recht geschnitten; die sind zu Breit und stören bei Montage und falten. Wie viel abgeschnitten werden konnte, habe ich mir am alten Verdeck angesehen.
Mit den C-Säulentaschen eingehakt (aber noch nichts geklebt!) kann vorsichtig der Vorderspriegel runtergelassen werden. Auch das hilft noch mal beim richtig "setzen".

BILD 20




Ich habe an diesen Moment auch mal das Verdeck um den Vorderspriegel geklammert (mit Hilfe jeder Art von Klammern und auf den Längsnähten mit Krippzangen) und vorsichtig runter gelassen. An den Ecken vorne sind auch zwei kleine Taschen genäht. Zum "Probespannen" kann man die nicht benutzen; sie würden reisen !
Während dem ganzen Einbau habe ich verschiedene Male hoch und runter geklappt. Dabei wurde der Vorderspriegel nicht geschlossen, das neue Verdeck hält den "schwebend" etwa 5 cm über der Windschutzscheibe .

BILD 21




Als Vorbereitung für das Kleben habe ich alle Schraubenlöcher von den Gummileisten durch gestochen; mit zum Teil drei schichten Stoff drunter sind die sonst nachher SCHWER zu finden !!

BILD 22




Jetzt kommt erst der Kleber dran, und angefangen wird hinten. Nur der innenliegende Lappen (von 2) wird an dieser Stelle Geklebt. Es muss beim kleben darauf geachtet werden das die obere Naht vom Keder (obwohl da kein Keder drin ist nenne ich das mal so) gut am Spriegel an liegt und sich etwas nach innen zieht.

BILD 23




Vorne wird das Spannseil an beiden Seiten nach hinten geführt, durch die vorgesehene Tasche. Fest schrauben samt Feder kommt erst viel später.

BILD 24




Jetzt kommt der schwierigste Teil der ganzen Montage: Das Kleben am Vorderspriegel.
Mein Verdeck hatte schon eine Markierung (mit Schneiderkreide) bis wie weit das Vordere teil über dem Spriegel kommen musste.
Diese Markierung ist aber nur teilweise eine Hilfe, ich musste das Verdeck noch was mehr nach vorne ziehen, so zeigte sich bei den "Proben". Mit kreide hab ich mir bessere Markierungsstriche gemacht, und danach den Vorderspriegel und Verdeck von innen mit Kleber eingestrichen. An dieser Stelle habe ich den Kleber nicht vollständig trocknen lassen bevor die Teile zusammen gedrückt wurden; so ist eine Korrektur (Lösen) einfacher. Es wird mit dem zusammen drücken in der Mitte angefangen und nach links und rechts gearbeitet. Die seitliche Spannung vom Verdeck ist nur gering.
Nach dem Kleben wird der Vorderspriegel vorsichtig runter gelassen. Auf diesem Bild sehen Sie wie es falten zieht.

BILD 25




Falten an dieser Stelle deuten auf falschen Sitz an den Ecken. Ich musste beide Seiten lösen und nach vorne ziehen.
Wenn nach dem probieren die Spannung okay ist und keine Falten mehr da sind, soll dem Kleber seine Zeit gelassen werden zum trocknen. Danach wird erst der Reststoff der über den Vorderspriegel hinaus steckt, zugeschnitten und um der Spriegelkante fest geklebt.

BILD 26




An den Ecken links und rechts vorne muss einiges geschnitten werden und in mehrere Schichten geklebt werden. Den rest der "Regenrinne" muss um etwa 45 Grad geklebt werden.
Ich habe auch beim Trocknen hier eine Krippzange benutzt (dabei von oben das Verdeck geschützt mit Holzblättchen und Restlappen);
Die zwei seitliche Lappen sollen auch vor dem zuschneiden am liegenden Vorderspriegel markiert werden. Beim kleben nicht zu straff nach innen ziehen; die "Regenrinne" soll glatt nach hinten verlaufen.

BILD 26a




Die extra Stoffschichten über der Ecke (unscharfes Bild - sehe aber auch bild 8b) habe ich wieder aufgebaut wie am original.
Wenn der Vorderspriegel vollständig geklebt ist, kann der ganze Gummi wieder montiert werden.

BILD 27




Die C-Säule ist bis jetzt noch nicht verklebt .Aber der Lappen und Schraubenlöcher werden hier auch mit "geschlossenem" Verdeck markiert, und danach zugeschnitten. (siehe auch bild 10). Die ‚Tasche' an der unteren Ecke (siehe bild 18) darf nicht vergessen werden ein zu hängen (mit ein wenig Kleber); und die C-Säule wird im ‚geschlossenem" Zustand geklebt. Beim Audi ist die Gefahr relativ klein (wegen der "Tasche") aber viele Verdecke die Falten ziehen hinter, oder über der C-säule, sind an dieser Stelle zu hoch oder zu niedrig geklebt.

BILD 28




Am Heckspiegel wird jetzt der zweite Lappen zugeschnitten und geklebt. Dabei soll die Spannung gerade so sein das der Keder schön (in Linie mit Verdeck) nach unten zeigt, und schön gleichmässig läuft. Es wird von der Mitte zu den Seiten geklebt.

BILD 29




An der Verdeckinnenseite ist an der unteren C-Säulen Ecke einen schmalen extra Lappen genäht. Der wird nicht geklebt sondern in der Mitte in Längsrichtung eingeschnitten (max 1,5 cm-roter strich) und mit der untersten Schraube samt Gummiprofil fest geschraubt. Beim fest ziehen dieser Schraube läst sich die Ecke mit Hilfe des Lappens ein und ausziehen, damit sie nicht seitlich aus steht.

BILD 30




Der Lappen Innenhimmelstoff unter dem Heckfenster wird geklebt, und der hintere Gummi kann wieder montiert werden. Auch über dem Heckfenster wird der Innenhimmelstoff am Hauptspriegel geklebt. (siehe bild 4) Es wird von der Mitte aus, zu den Seiten geklebt.

Das Spannseil und Feder können montiert werden am Hauptspriegel (siehe bild 9).

Die Lappen über den Zwischenspriegeln werden fest geklebt (entweder mit Kleber, aber einfacher ist es -wie original- mit doppelseitiges Klebeband) sieht bild 5. Es wird von der Mitte zu den Seiten geklebt.

Es sind 4 Breite Gummis am Verdeck: 2 unten an den Scharnieren hinter der C-Säule (mit Blindnieten fest zu machen - siehe bild 11) und zwei am oberen ende der C-Säulen (fest zu schrauben am Gestänge - kein bild). Diese müssen noch montiert werden. Im geschlossenen Zustand brauchen die keine Vorspannung; die sind dazu dar, das Falten vom Verdeck beim öffnen zu unterstützen.


* Als letztes muss der Innenhimmel eingebaut werden (siehe FAQ Innenhimmel.).

Die letzten Handgriffe:


- Das frisch montierte Verdeck wird zum ersten mal ins Schloss gezogen, und bleibt mindesten 48 stunden zu.
- Ich brauchte nachher zum Glück nur einen Gummi etwas ein zu stellen, es kann aber vorkommen das sogar die Fenster neu eingestellt werden müssen, insbesondere wenn das ganze Gestell abgebaut wurde.
- Falten im Heckfenster ziehen sich nach einigen Tagen weg. Es kommt aber vor das nach der ersten offen Fahrt, das Fenster sich schlecht "erholt". Das Verdeck 'setzt' sich anders wie die Kunststoffscheibe. Meistens entstehen diese Falten an der Naht die sich viel weiniger 'setzt'.
Mit Hilfe eines Haarföhn (kein Hobby Heißluftföhn !) kann dies vorsichtig am geschlossenem Verdeck nach geholfen werden. Wie gesagt; die Falten entstehen meist an den Ränder vom Fenster, also auch wenn die mitten im Fenster zu sehen sind.

10.06.2008 18:00 Rob Strijbos (Streaky) {writeRevision}
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